In der Saarstraße in Bremen-Hemelingen entwickeln wir derzeit gemeinsam mit Partner*innen ein innovatives Pilotprojekt für eine klimaangepasste Kanalsanierung.
Durch die gezielte Abkopplung von Regenwasser von der Kanalisation, soll ein Kanalneubau durch eine grabenlose Kanalsanierung ersetzt werden können. Das spart erhebliche Ressourcen ein und fördert eine klimaangepasste Straßenumgestaltung. Die Machbarkeitsstudie liegt nun vor und ist im Rahmen des Zentralen Umsetzungsprogramms Klimaanpassung (ZUP) von der Europäischen Union kofinanziert worden.
Für den Niederschlagswasserkanal in der Saarstraße aus dem Jahr 1904 wurde ein Sanierungsbedarf festgestellt. Anstatt den Kanal in aufwendiger offener Bauweise zu erneuern, ergab sich im Rahmen des internen Schwammstadt-Projektes ein neuer Ansatz: Die Möglichkeit einer grabenlosen Umsetzung der Kanalsanierung durch den gezielten Einsatz von Maßnahmen zur Förderung der wassersensiblen Stadtentwicklung (Schwammstadt) und Klimaanpassung.
Im Rahmen des Pilotprojekts wurde in den vergangenen Monaten dafür zunächst eine Machbarkeitsstudie durch die Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker mbH erstellt. Diese zeigt, dass durch die Kombination mehrerer Maßnahmen rund 2.100 Quadratmeter befestigte Fläche vom Kanalnetz abgekoppelt werden können. Dadurch bestätigt sich die Gelegenheit, den bestehenden Kanal grabenlos mittels Inliner-Verfahren zu sanieren. Im Vergleich zu einer offenen Bauweise würden damit sowohl finanzielle als auch materielle Ressourcen geschont und die beim Bau entstehenden Treibhausgasemissionen deutlich reduziert werden können.
Die Studie untersuchte verschiedene Möglichkeiten zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung und entwickelte eine Vorzugsvariante, die technische, ökologische und städtebauliche Ziele miteinander verbindet. Für die Umsetzung soll Regenwasser künftig verstärkt vor Ort zurückgehalten, versickert und verdunstet werden. Die Vorzugsvariante sieht vor das Kanalsystem durch eine Maßnahmenkombination zu entlasten.



Diese besteht aus:
- der Aktivierung einer bestehenden öffentlichen Grünanlage als Versickerungsfläche,
- Entsiegelung und Schaffung von neuem Straßenbegleitgrün
- sowie der Integration von optimierten Baumstandorten und Tiefbeeten zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung.
Die blau-grüne Infrastruktur übernimmt hier gleich zwei Funktionen: Sie ist Vorrausetzung für die grabenlose Sanierung und fördert gleichzeitig Maßnahmen für die Klimaanpassung. Denn Entsiegelungen und Begrünungen haben positive Auswirkungen für die biologische Vielfalt, den Hitzeschutz und die Aufenthaltsqualität im Bereich Saarstraße.
Derzeit stehen wir im engen Austausch mit den städtischen Partner*innen und steigen in eine zweite Projektphase ein. In dieser soll eine konkrete Entwurfs- und Ausführungsplanung erstellt werden, mit dem Ziel die Voraussetzungen für eine für eine Umsetzung zu schaffen. Die gewonnenen Erkenntnisse des Pilotprojekts Saarstraße sollen künftig auch bei weiteren Kanalsanierungsprojekten genutzt werden.
Das Pilotprojekt Saarstraße wird im Rahmen des Zentralen Umsetzungsprogramms Klimaanpassung (ZUP) durch die Europäische Union kofinanziert. Die Förderung ermöglicht die fachliche Planung und Weiterentwicklung der klimaangepassten Straßen- und Regenwasserbewirtschaftungsmaßnahmen. Damit leistet die Europäische Union einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung innovativer Lösungen für den Klimaschutz, die Klimaanpassung und eine wassersensible Stadtentwicklung in Bremen.

